Benjamin
Burkard

Zur Ausstellung

Benjamin Burkard zeigt seine neuen Arbeiten! 

Die Galerie Art Affair in Regensburg zeigt erstmalig den jungen, aufstrebenden Künstler Benjamin Burkard. Der Künstler erschafft malerische, komplexe Welten, die in farblicher Gewalt brillieren und in ihrer detailreichen Dichte Geschichten über unseren Wertewandel erzählen. Er spielt mit historischen Anlehnungen und dem malerischen Zufall, wobei immer eine Balance zwischen Abstraktion und Figuration wird. 

Burkard zeigt in dieser Schau eine Vielfalt von Blickwinkeln, Erzählungen und Unvereinbarkeiten an der er uns teilhaben lässt. 

Der Künstler ist zur Vernissage anwesend.

Die Vernissage findet am Samstag, den 11. februar 2023 um 19 Uhr statt.

Der Künstler wird an diesem Abend anwesend sein. 

Enthusiast

98 x 83 cm 

Painting on Board

2021

Kopf in den Wolken

Öl, Acryl & Lack auf Leinwand

50 x 30cm

2022

Schweigzahm

Öl, Acryl & Lack auf Leinwand

70 x 50cm

2022

        Dialog mit der Kultur

          Acryl auf Leinwand

              180 x 240 cm

                    2018

                   Neue Welten

     Öl, Acryl & Lack auf Leinwand

                     160 x 160cm

                          2022

Die Variation ist König unter den Kopien

Öl, Acryl & Lack auf Leinwand

80 x 160

2021

benjamin burkard in seinem atelier (Video)

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Aus dem tiefsten Innern

 

Die weiße Leinwand ist mehrfach grundiert, gespachtelt und noch ist überall ihre raue Oberfläche zu erkennen. Es ist wie ein Moment der Ruhe, der absoluten Anspannung, bevor die Farben in zahllosen Schichten übereinander gelagert werden. Kraftvoll und mit intensivem Kolorit treten die meist großformatigen Arbeiten Benjamin Burkards dem Betrachter gegenüber. Sie fordern ihn in ihrer Vielfältigkeit heraus und weisen in surrealer Form auf mehrdeutige Botschaften.

Ausgangspunkt für den Künstler ist zunächst sein enormer Fundus an Bildern aus Zeitschriften, Fotographien und Skizzen. In immer wieder neuen Büchern hält er einzelne Ideen, Fragmente fest, bis aus ihnen schließlich die Grundlagen seiner Gemälde reifen. Die Zeichnungen stammen aus seinem Interesse für Mechanik, Wissenschaft, Natur und maßgeblich für den Menschen. Detailreiche Kompositionsskizzen, Notizen aus Sprache und Literatur, ebenso wie die Eindrücke seines direkten Umfelds dienen Benjamin Burkhard als Fundament seiner Bilder. Entgegen allem Anschein ist nichts dem Zufall überlassen, und doch findet der spontane Farbverlauf des impulsiven Auftrags immer wieder auch den Weg in die Komposition. Gezielt setzt der Künstler die Farbschichten übereinander und entwickelt daraus zunächst eine abstrakte Grundstruktur. Helle Farben liegen über Dunkleren, opake Flächen verwehren den Blick in die Tiefe und darüber hinaus lassen mit breitem Pinsel lasierend aufgetragene Strukturen die darunterliegenden Schichten sichtbar hervortreten. Gerade diese Diversität von Verschleiern und Öffnen erzeugt eine unglaubliche Spannung und verstärkt maßgeblich den intensiven Eindruck der Haptik der Bilder. Ihre Oberflächen scheinen hierdurch dem Betrachter fast greifbar zu sein und geben den einzelnen Bereichen eine immer wieder andere Beschaffenheit. Tropfen, Verlaufslinien, kleine Kratzer bis hin zu offenen Stellen der Leinwand: Die verschiedenen Spuren dieses intensiven Malprozesses können zwar durchaus im weiteren Arbeitsablauf wieder verschwinden, oft bleiben sie jedoch bis zum Ende stehen und unterstreichen die Dynamik der Gestaltung.

Von den meist diffusen, ungefassten Außenkanten der Leinwände scheinen die Farben ins Innere der Komposition zu fließen und sich dort zu verdichten. Sie entwickeln in ihrem Kern unterschiedliche Bereiche mit zentraler Bedeutung. Diese Zentren höchster Konzentration finden sich vermehrt in der horizontalen oder vertikalen Mittelachse, können jedoch hin und wieder auch an die Bildränder gerückt sein. Mit einer ungeheuerlichen Kraft an Farbe, der intensiven Dynamik von Bewegung und Gegenbewegung erfährt das Gemälde einen neuerlichen Werkprozess. Im Verlauf der Ausarbeitung dieses Tiefenraums werden aus der abstrakten Farbigkeit gegenständliche Objekte, in erster Linie Personen und Tiere, herausgearbeitet. Unweigerlich ziehen diese Elemente, die in Teilen fast fotografische Genauigkeit erreichen, den Blick des Betrachters auf sich. Erst mit ihnen lösen sich optisch weitere Komponenten aus dem Hintergrund und bilden die narrative Einheit der Gemälde. Auf den zweiten Blick öffnet sich somit ein komplexer Bildaufbau additiv zusammengesetzter Fragmente, die wie ein geschlossener Organismus, durch verschiedenartige, architektonische Gebilde wie durch den Mantel einer Behausung zusammengehalten werden.

Auch wenn er nicht sichtbar ist, nur Gliedmaße auf seine Anwesenheit hindeuten, der Mensch spielt eine zentrale Rolle innerhalb dieses künstlerisch geschaffenen Ökosystems.

Gerade die Arbeiten der letzten Jahre zeugen für eine verstärkte Konzentration auf die Fragen der menschlichen Geschichte, sowie ihrer gesellschaftlichen wie kulturellen Wurzeln. Ausgehend von der Bedeutung des Einzelnen, von den wissenschaftlichen Veränderungen die maßgeblich das 15. Jahrhundert, die Renaissance, mit sich brachte, sind dabei Rückgriffe, Vorbilder und Traditionen durchaus von Belang. Dabei handelt es sich nicht um Kopien, sondern vielmehr um eine Weiterentwicklung dieser Gedanken in die heutige Zeit und Bildsprache. Anlehnungen an die Geschichte des 19. oder auch 20. Jahrhunderts, Figuren, die dem gesellschaftlichen und politischen Leben jener Zeit entnommen scheinen, bilden eine Brücke in die Aktualität. Beispielsweise dann, wenn „dunkle“ Strippenzieher in „Kultur stirbt nicht aus“ auf einen “Saubermann“ vertrauen. Oder sich die schemenhaften Gestalten einer Jagdgesellschaft mit kolonialen Attributen im mächtigen Halbkreis um ihre Beute schart. Besonders das Thema der Jagd und des Jägers tritt hierbei in den Vordergrund und hinterlässt beim Betrachter ein eigenwilliges Gefühl, wenn der stolze Hirsch, betont durch das Leuchten des Hintergrunds im direkten Dialog zu stehen scheint. Auch die Technik hat sich in diesem Zusammenhang erweitert: neben Acrylfarben, Buntstiften, Ölkreiden und Verdünnungsmitteln verwendet Benjamin Burkard zunehmend Kupfer und Blattgold. Wie die mittelalterliche Grundierung, die Überhöhung des Hintergrunds, hebt er damit vordergründig die Wertigkeit einer Arbeit. In der für den Künstler subtilen Weise verändert er jedoch das klassische Vorbild, in dem er das vermeintlich Edle überdeckt, die Malerei legt sich über das Blattgold und macht damit deutlich, dass Materialität und Reichtum nicht an vorderster Stelle stehen.

Gegensätze von Licht und Schatten, Abstraktion und Gegenständlichkeit oder auch einer leichten Heiterkeit gegenüber unterschwelliger Bedrohung: sie alle erzeugen die besondere Spannung und verdeutlichen die Vielsichtigkeit der einzelnen Werke. Auch wenn zumeist die gewählten Titel einen ersten Zugang eröffnen und eine gewisse Ironie im Umgang mit Sprache verdeutlichen, geben sie dem Betrachter doch zahlreiche Assoziationen und Deutungsansätze. Auf der Suche nach dem Kern einer Thematik schafft es Benjamin Burkard auf eindrückliche Weise, eine Vernetzung verschiedener Ebenen, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, um so den Betrachter hinter die Oberfläche zu locken und ihn für diese innere Sichtweise zu faszinieren.

Simone Maria Dietz M.A.

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